Schland oh Schland oder Morgenstund hat (schwarz-rot-) Gold im Mund
Es ist 5.30 am Morgen. Bei leichtem Nieselregen und etwa 13° C verlasse ich meine Wohnung und mache mich auf dem Weg ins Zentrum zum FIFA-Fan-Fest. Public-viewing in Mexikos Hauptstadt. Am Sonntag Nachmittag durfte ich dort ein WM-Highlight erleben, als wir Australien und dem Rest der Welt gezeigt haben, wie schön Fußball sein kann. Auf der vierspurigen Straße, in der ich wohne, auf der so gut wie immer viel Verkehr ist, fahren um diese Uhrzeit ein Bus und eine Handvoll Autos, es sind kaum Leute unterwegs und weder der Zeitungsverkäufer, noch die Dame, die Gebäck und heiße Getränke an der Ecke verkauft, haben ihren Arbeitstag begonnen. Im Metrobus der Nord/Süd-Achse der Stadt, der Avenida Insurgentes, sitzen gerade mal 8 Personen. Um die gleiche Zeit am Abend warte ich etwa 10 Minuten, um überhaupt einsteigen zu können, obwohl die Busse zu Stoßzeiten im Minutentakt fahren. Die Straßen sind schwach beleuchtet, lediglich ein paar Mini-Supermärkte mit 24-Stunden-Service haben geöffnet und erstrahlen in der finsteren Nacht. Wo sonst Stau ist, fahren ein paar Taxis und Autos vereinzelt umher. Die Stadt wirkt so einsam und verlassen, dass ich sie kaum wieder erkenne. Plötzlich eine freudige Überaschung: gegen 6 Uhr sehe ich die ersten Deutschlandfans – zwei Damen mit einer Fahne – vermutlich auf dem Weg zum Goetheinstitut, um dort das Spiel anzusehen. Der Bus bringt mich zur U-Bahnstation, jetzt dauert es nicht mehr lange, bis ich an meinem Zielort angelange. Beim Aussteigen sehe ich auf die Uhr – 6:23 – und beim Verlassen des U-Bahnbereichs höre ich auch schon über die Lautsprecher die Nationalhymne. Ich begebe mich schnell zum Eingang des Fan-Bereichs, breite meine Decke aus und kann noch an einer Hand die Menschen mit Deutschland-Trikot abzählen. Nach und nach kommen weiter Fans aus ihren Löchern, schön langsam beginnt es, hell zu werden. Es ist bewölkt und hin und wieder fallen ein paar Tropfen vom Himmel. Nach gut 20 Minuten kommt mein Freund Oswaldo mit seiner Deutschlandfahne, kurz darauf verlässt Miro Klose unfreiwillig den Platz und den Rest muss ich nicht weiter erwähnen. Zur 2. Halbzeit sind schon mehr Fußballfans am Start, auch Anais hat es doch noch geschafft, uns Gesellschaft zu leisten. Nach dem Spiel gehen wir noch an einem Imbissstand frühstücken, bevor ich dann die nächste Metro nehme, um in die Arbeit zu fahren.

Wann kommst du?